Neuro-Netz-München

Bitte lesen Sie hier einen Bericht über das Neuro-Netz in der Physiotherapie Fachzeitschrift pt (Flaum-Verlag): PT_Zeitschrift_Interview_2018

Alle Termine zum NeuroNetz finden Sie unter „Veranstaltungen“

Allen an der Rehabilitation und Nachsorge beteiligten Gruppen fällt es schwer, einen umfassenden Überblick über Versorgungsangebote in der ambulanten und stationären Neurorehabilitation zu erhalten. Obwohl gewünscht, fehlt häufig die Zeit für den Austausch zwischen den Berufsgruppen und Fachleuten. Daraus ergeben sich Schnittstellenstellenprobleme, z.B. bei der Versorgung mit Hilfsmitteln, dem Empfehlen von bestimmten Therapien (1; 2) oder dem Berücksichtigen von Medikamentennebenwirkungen usw.

Auch Angehörige sind meist überfordert und fühlen sich häufig allein gelassen mit sozialrechtlichen Fragen oder schlicht der Organisation des täglichen Lebens an der Seite eines neurologischen erkrankten Menschen. Und die Nöte, Ängste und erlebten Behinderungen der betroffenen PatientInnen? Und die Anzahl der neurologisch Erkrankten in Deutschland ist hoch.

Schlaganfall

Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich jährlich in Deutschland, etwa 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle. Rund 20 Prozent der Schlaganfall-PatientInnen sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Aufgrund der älter werdenden Gesellschaft ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schlaganfall-Erkrankten in den nächsten Jahrzehnten drastisch ansteigt. Das Krankheitsbild Schlaganfall stellt somit eine der bedeutendsten Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem dar (3).

Schädel-Hirn-Trauma

Das Schädel-Hirn-Trauma kommt in der Bundesrepublik bei einer Bevölkerungsgröße von ca. 82 Millionen Einwohnern mit einer Häufigkeit von ca. 273.000 Schädelhirnverletzten pro Jahr vor (4). Die hochgerechneten gesamtgesellschaftlichen Kosten betragen für das Schädel-Hirn-Trauma in Deutschland ca. 2,8 Milliarden €/Jahr. Auch leichte Schädel-Hirn-Verletzungen können erhebliche Folgen u.a. in Form von Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen haben und zu einer Arbeitsunfähigkeit führen (5).

Neuried: der erste Knoten im Netzwerk

Viele verschiedene Berufsgruppen geben ihr Bestes, um Betroffene und Angehörige zu unterstützen, doch häufig laufen diese Bemühungen unkoordiniert nebeneinander her. Um die Vernetzung zu stärken und gemeinsam daran zu arbeiten, scheint ein Zusammenschluss sinnvoll. Und der Bedarf ist groß. Und so versammelten sich am 10.11.2017 erstmals an dem Neuro-Netz-Werk-München-Würmtal Interessierte im Sitzungssaal der Gemeinde Neuried im Landkreis München.

Warum ausgerechnet in Neuried?

Diese Frage stellten sich viele, denen die Idee im Vorfeld vorgestellt wurde. Die pragmatische Antwort lautet: die Physiotherapeutin, Gesundheitswissenschaftlerin und Netzwerk-Initiatorin Claudia Pott ist Neuriederin. Auf den Rat von Jürgen Langemeyer vom Schlaganfall-Ring-Schleswig-Holstein, mit dem sie zusammenarbeitet, fing sie erst einmal in Ihrer Umgebung an, nach Menschen zu suchen, die sich dafür begeistern können, an der Überwindung von Problemen in der neurologischen Rehabilitation sektoren-, phasen- und berufsgruppenübergreifend gemeinsam zu arbeiten – gemäß dem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“.

Ein erstes offenes Ohr fand Claudia Pott bei Thomas Kurtze, dem Geschäftsführer eines Münchener Sanitätshauses, der schon erfolgreich an der Implementierung von anderen Netzwerken beteiligt ist.

Betroffene berichten aus ihrer Sicht

Gemeinsam luden sie Personen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ein – und insgesamt 21 Menschen folgten der Einladung. Betroffene, Angehörige, Therapeuten, Ärzte, und Versorgungsforscherinnen. Nach einer kurzen Vorstellung der Netzwerk-Idee berichteten Meike Hörnke und Gerhard Schweizer sehr anschaulich, berührend, aber auch sehr humorvoll von ihren Erfahrungen als Betroffene. Nach diesen 2 Impulsvorträgen stellten sich alle TeilnehmerInnen einander gegenseitig vor und tauschten ihre Erfahrungen aus. Am Ende des Abends einigte man sich darauf, beim nächsten Treffen konkrete Fragestellungen an die Forschung zu formulieren und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Angedacht ist auch eine Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Netzwerken im Großraum München.

 Interessierte sind herzlich willkommen! (Um Anmeldung bei Claudia Pott wird gebeten, bitte per Mail an: pott@neurophysioreha.de oder telefonisch unter Tel. 089 92563255).

Claudia Pott, Physiotherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin, Neuried

www.NeuroPhysioReha.de

 

Weitere Infos:

Meike Hörnke berichtet auf Ihrer Internetseite von ihren eigenen Erfahrungen und stellt ihr Beratungsangebot vor.

www.wendepunkt-schlaganfall.de

Gerhard Schweizer hat ein Buch über seine Reha Erlebnisse geschrieben und betreibt einen sehr lesenswerten Blog (https://51steppenwolf.wordpress.com/author/51steppenwolf/).

 

 

Literatur
  1. Böhle E, Heise K, Pott C. Kluft zwischen therapeutischem Anspruch und der Versorgungsrealität. neuroreha 2011; 3(03): 129-133.
  2. Thieme, H., Dettmers, C., Huber, M., & Pott, C. (2016). 6-Punkte-Programm für eine bessere Versorgung – Motorische Neurorehabilitation. physiopraxis, 14(05), 16–17.
  3. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe. www.Schlaganfall-Hilfe.de; Einsicht am 30.11.2017
  4. Einleitung Bericht Nachsorgekongress 2010. www.nachsorgekongress.de/download/nachsorgekongress_presse/2010_Einleitung/nachsorgekongress_presse_2010/2010_ergebnisse_studie/; Einsicht am 30.11.2017
  5. Röhrer S. Das Schädel-Hirn-Trauma in Europa, Dissertation Uni Ulm. 2013.